Veröffentlicht am: 17. März 2026

Informationen und Beratung für Ministerien, Schulträger und Medienzentren

Drei Fragen an …

Florian Buschmann, Experte für die Prävention von Mediensucht

Foto:
Florian Buschmann © privat

Wenn Kinder und Jugendliche länger der Schule fernbleiben, ziehen sie sich häufig in Gaming oder Social Media zurück. Um Mediensucht vorzubeugen, hat der Psychologe (B. A.) und Medientrainer Florian Buschmann ein Präventionsprogramm für Schulen entwickelt.


Was hat Mediensucht mit Absentismus zu tun?
Für viele Jugendliche ist das Smartphone ein Rückzugsort aus einem überlasteten Alltag. In dieser virtuellen Welt sind sie selbstbewusste Charaktere, ganz anders als in der realen Welt. Je tiefer sie in die virtuelle Welt eintauchen, desto geringer wird ihr Interesse an der Realität. Dadurch entwickeln sie auch nicht die Fähigkeiten, mit ihren Problemen im realen Leben umzugehen. Die Mediensucht ist in dem Sinn nur ein Symptom, nicht die Ursache für den Rückzug. Aber wenn man erst einmal sechs Stunden täglich auf TikTok ist oder womöglich nachts am Computer spielt, fehlt am nächsten Tag erst recht die Kraft, sich Problemen zu stellen. Das ist eine Spirale, in die man immer tiefer hineingeraten kann.

Aktuell ist ein Social-Media-Verbot für Jugendliche im Gespräch. Was können Schulen tun, damit Jugendliche lernen, digitale Medien verantwortungsvoll nutzen?
Ein Verbot halte ich nicht für eine gute Lösung. Wir können nur über Aufklärung den Gefahren der Mediennutzung begegnen. Der Schlüssel ist immer, die Persönlichkeit von Kindern und Jugendlichen zu stärken und dafür zu sorgen, dass sie selbstbewusst mit beiden Beinen im Leben stehen. Und wir müssen sicherstellen, dass sie Anlaufstellen haben, wenn es ihnen schlecht geht. Dann wäre die Gefahr, dass sie in eine Mediensucht abrutschen, viel geringer. Ich führe seit fünf Jahren Aufklärungsveranstaltungen an Schulen durch, damit erreichen wir rund 13.000 Teilnehmende jährlich. Unser Ansatz ist, nicht nur das Medienverhalten anzusehen, sondern den ganzen Menschen mit seiner psychischen Stabilität.

Über solche Präventionsangebote hinaus sollten Schulen unbedingt ihre Schülerinnen und Schüler gut im Blick haben. Manchmal reicht es schon, dass eine Lehrkraft sagt: „Mir fällt auf, dass du manchmal fehlst. Du beteiligst dich nicht mehr so oft und bist oft müde. Wie geht es dir im Moment?“ Ein offenes Ohr zu haben und nicht gleich zu verurteilen, kann ein wichtiger erster Schritt sein. Wir fokussieren uns viel zu oft nur auf das Verhalten, anstatt den Menschen dahinter zu sehen.

Präventionsangebote hängen stark von der Initiative einzelner Schulen ab. Wie ließe sich eine gute Medienbildung systemisch umsetzen?
Viele engagierte Lehrkräfte an Schulen sind massiv überlastet. Wir brauchen ganz andere Unterstützungssysteme an Schulen, vor allem eine stetige Schulsozialarbeit. Damit meine ich nicht, dass eine Person für 1.500 Schülerinnen und Schüler zuständig ist, sondern ich meine wesentlich mehr Hilfsmechanismen durch multiprofessionelle Teams.

Darüber hinaus brauchen wir klar strukturierte Pläne, wie wir Medienkompetenz vermitteln. Dazu gehört auch eine verlässliche Präventionsstruktur, zum Beispiel jährliche Formate. Unsere Evaluationen zeigen, dass regelmäßige Präventionsveranstaltungen viel nachhaltiger sind als eine einzige. Aber die Realität sieht ganz anders aus, wir kämpfen bei jeder Schule um Einzelförderung. Manchmal finanzieren Krankenkassen Angebote für mehrere Schulen auf einmal. Aber in der Verwaltung ist der bürokratische Aufwand sehr hoch, um solche Programme für mehrere Schulen oder über mehrere Jahre sicherzustellen.

Linktipp: Mehr Informationen zu Präventionsangeboten von Florian Buschmann

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Florian Buschmann, Experte für die Prävention von Mediensucht

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Wenn Kinder und Jugendliche länger der Schule fernbleiben, ziehen sie sich häufig in Gaming oder Social Media zurück. Um Mediensucht vorzubeugen, hat der Psychologe (B. A.) und Medientrainer Florian Buschmann ein Präventionsprogramm für Schulen entwickelt.


Was hat Mediensucht mit Absentismus zu tun?
Für viele Jugendliche ist das Smartphone ein Rückzugsort aus einem überlasteten Alltag. In dieser virtuellen Welt sind sie selbstbewusste Charaktere, ganz anders als in der realen Welt. Je tiefer sie in die virtuelle Welt eintauchen, desto geringer wird ihr Interesse an der Realität. Dadurch entwickeln sie auch nicht die Fähigkeiten, mit ihren Problemen im realen Leben umzugehen. Die Mediensucht ist in dem Sinn nur ein Symptom, nicht die Ursache für den Rückzug. Aber wenn man erst einmal sechs Stunden täglich auf TikTok ist oder womöglich nachts am Computer spielt, fehlt am nächsten Tag erst recht die Kraft, sich Problemen zu stellen. Das ist eine Spirale, in die man immer tiefer hineingeraten kann.

Aktuell ist ein Social-Media-Verbot für Jugendliche im Gespräch. Was können Schulen tun, damit Jugendliche lernen, digitale Medien verantwortungsvoll nutzen?
Ein Verbot halte ich nicht für eine gute Lösung. Wir können nur über Aufklärung den Gefahren der Mediennutzung begegnen. Der Schlüssel ist immer, die Persönlichkeit von Kindern und Jugendlichen zu stärken und dafür zu sorgen, dass sie selbstbewusst mit beiden Beinen im Leben stehen. Und wir müssen sicherstellen, dass sie Anlaufstellen haben, wenn es ihnen schlecht geht. Dann wäre die Gefahr, dass sie in eine Mediensucht abrutschen, viel geringer. Ich führe seit fünf Jahren Aufklärungsveranstaltungen an Schulen durch, damit erreichen wir rund 13.000 Teilnehmende jährlich. Unser Ansatz ist, nicht nur das Medienverhalten anzusehen, sondern den ganzen Menschen mit seiner psychischen Stabilität.

Über solche Präventionsangebote hinaus sollten Schulen unbedingt ihre Schülerinnen und Schüler gut im Blick haben. Manchmal reicht es schon, dass eine Lehrkraft sagt: „Mir fällt auf, dass du manchmal fehlst. Du beteiligst dich nicht mehr so oft und bist oft müde. Wie geht es dir im Moment?“ Ein offenes Ohr zu haben und nicht gleich zu verurteilen, kann ein wichtiger erster Schritt sein. Wir fokussieren uns viel zu oft nur auf das Verhalten, anstatt den Menschen dahinter zu sehen.

Präventionsangebote hängen stark von der Initiative einzelner Schulen ab. Wie ließe sich eine gute Medienbildung systemisch umsetzen?
Viele engagierte Lehrkräfte an Schulen sind massiv überlastet. Wir brauchen ganz andere Unterstützungssysteme an Schulen, vor allem eine stetige Schulsozialarbeit. Damit meine ich nicht, dass eine Person für 1.500 Schülerinnen und Schüler zuständig ist, sondern ich meine wesentlich mehr Hilfsmechanismen durch multiprofessionelle Teams.

Darüber hinaus brauchen wir klar strukturierte Pläne, wie wir Medienkompetenz vermitteln. Dazu gehört auch eine verlässliche Präventionsstruktur, zum Beispiel jährliche Formate. Unsere Evaluationen zeigen, dass regelmäßige Präventionsveranstaltungen viel nachhaltiger sind als eine einzige. Aber die Realität sieht ganz anders aus, wir kämpfen bei jeder Schule um Einzelförderung. Manchmal finanzieren Krankenkassen Angebote für mehrere Schulen auf einmal. Aber in der Verwaltung ist der bürokratische Aufwand sehr hoch, um solche Programme für mehrere Schulen oder über mehrere Jahre sicherzustellen.

Linktipp: Mehr Informationen zu Präventionsangeboten von Florian Buschmann

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