Veröffentlicht am: 17. Juni 2026

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Drei Fragen an Alexandra Andersen

Wege zu mehr Wohlbefinden im Lehrberuf

Foto:
Alexandra Andersen © Andreas Grasser

Alexandra Andersen hat 25 Jahre selbst als Lehrerin gearbeitet. Heute berät sie Schulen und Lehrkräfte, die sich in ihrem Arbeitsalltag mehr Wertschätzung und Wohlbefinden wünschen.


Wie geht es Lehrkräften in Deutschland?
Ich erlebe in Kollegien einerseits eine große Begeisterung, aber auf der anderen Seite eine große Erschöpfung. Wer junge Menschen auf das Leben vorbereiten will, ist immer wieder mit Herausforderungen konfrontiert, die bis an die eigenen Grenzen gehen, auch an die Grenzen des eigenen Einflussbereichs. Diese hohe Frustrationstoleranz auszuhalten ist nicht so leicht. Lehrkräfte legen ja ihr Menschsein nicht ab, wenn sie in ihre berufliche Rolle schlüpfen. Das ist auch gut so, denn neben Fachwissen sind heute mehr denn je pädagogische Kompetenzen von ihnen gefordert, um ein gutes Miteinander in den Schulen zu ermöglichen.

Wenn es den Lehrkräften gut geht, profitieren sie übrigens nicht nur selbst davon. Im Klassenzimmer findet eine Co-Regulation statt, das heißt, die Emotionen übertragen sich zwischen Lehrkraft, Schülerinnen und Schülern. Wenn Lehrkräfte gestresst und mental am Limit sind, tut das also niemandem gut. Erst recht nicht, wenn man sieht, dass es vielen Schülerinnen und Schülern auch nicht gut geht. Studien zeigen ja, dass Kinder und Jugendliche psychisch so gefordert sind wie nie zuvor.

Was können Lehrkräfte für ihr Wohlbefinden tun?
Ich ermutige Lehrkräfte, nicht darauf zu warten, dass sich etwas an den Strukturen ändert, sondern bei sich anzufangen – das ist der einzige Bereich, in dem sie wirklich Einfluss nehmen können. Ich bin ein Fan von Achtsamkeit, die nicht nur auf dem Meditationskissen stattfindet, sondern sehr konkreten Alltagsbezug hat. Deshalb halte ich es vor allem für wichtig, dass Lehrkräften wirklich bewusst ist, was ihnen gut tut und sie mit Kraft erfüllt. Das kann ein Mittagsschlaf sein, ein Spaziergang in der Natur oder auch eine wunderbar gelungene Unterrichtsstunde. Es müssen also nicht nur Energiequellen außerhalb des Schulbetriebs sein. Wenn Lehrkräfte sich als wirksam erleben, hat das großen Einfluss auf Motivation, Zufriedenheit und auch mentale Gesundheit. Genauso wichtig ist es aber, sich für das Leben außerhalb der Schule Zeit zu nehmen – also gut zu planen, wann man korrigiert oder Unterricht vorbereitet und wann man vielleicht Sport treibt, etwas mit der Familie oder Freunden unternimmt oder ein Hobby pflegt.

Was können Schulleitungen tun, damit es den Lehrkräften gut geht?
Ich wünsche mir von Schulleitungen vor allem Mut, um neue Wege auszuprobieren und dabei die Lehrkräfte mit ins Boot zu holen. Wenn Lehrkräfte einbezogen werden, mitbestimmen und ihre Ideen einbringen können, sind sie auch bereit dafür loszugehen. Außerdem sollten Schulleitungen versuchen, eine echte Wertschätzungskultur anstelle einer Fehlerkultur einzuführen. Dafür muss man sich Zeit nehmen, um ins Gespräch zu kommen, wirklich zuzuhören und so ein Miteinander zu entwickeln. Zeit ist ein entscheidender Faktor. Viel zu oft versuchen wir, ganz schnell Lösungen zu präsentieren und Probleme aus der Welt zu schaffen. Dabei bleibt viel auf der Strecke. Das ist natürlich nicht leicht, denn wenn wir uns für das eine Zeit nehmen, kommt vielleicht etwas anderes zu kurz. Ich finde es gut, wenn sich Schulleitungen davon nicht abhalten lassen, sondern schauen, wofür das Kollegium bereit ist und wie alle gemeinsam eine Schulkultur schaffen können, in der sich die Lehrkräfte wohlfühlen und jeden Tag gern in die Schule kommen.

Linktipp: www.alexandra-andersen.de

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Alexandra Andersen hat 25 Jahre selbst als Lehrerin gearbeitet. Heute berät sie Schulen und Lehrkräfte, die sich in ihrem Arbeitsalltag mehr Wertschätzung und Wohlbefinden wünschen.


Wie geht es Lehrkräften in Deutschland?
Ich erlebe in Kollegien einerseits eine große Begeisterung, aber auf der anderen Seite eine große Erschöpfung. Wer junge Menschen auf das Leben vorbereiten will, ist immer wieder mit Herausforderungen konfrontiert, die bis an die eigenen Grenzen gehen, auch an die Grenzen des eigenen Einflussbereichs. Diese hohe Frustrationstoleranz auszuhalten ist nicht so leicht. Lehrkräfte legen ja ihr Menschsein nicht ab, wenn sie in ihre berufliche Rolle schlüpfen. Das ist auch gut so, denn neben Fachwissen sind heute mehr denn je pädagogische Kompetenzen von ihnen gefordert, um ein gutes Miteinander in den Schulen zu ermöglichen.

Wenn es den Lehrkräften gut geht, profitieren sie übrigens nicht nur selbst davon. Im Klassenzimmer findet eine Co-Regulation statt, das heißt, die Emotionen übertragen sich zwischen Lehrkraft, Schülerinnen und Schülern. Wenn Lehrkräfte gestresst und mental am Limit sind, tut das also niemandem gut. Erst recht nicht, wenn man sieht, dass es vielen Schülerinnen und Schülern auch nicht gut geht. Studien zeigen ja, dass Kinder und Jugendliche psychisch so gefordert sind wie nie zuvor.

Was können Lehrkräfte für ihr Wohlbefinden tun?
Ich ermutige Lehrkräfte, nicht darauf zu warten, dass sich etwas an den Strukturen ändert, sondern bei sich anzufangen – das ist der einzige Bereich, in dem sie wirklich Einfluss nehmen können. Ich bin ein Fan von Achtsamkeit, die nicht nur auf dem Meditationskissen stattfindet, sondern sehr konkreten Alltagsbezug hat. Deshalb halte ich es vor allem für wichtig, dass Lehrkräften wirklich bewusst ist, was ihnen gut tut und sie mit Kraft erfüllt. Das kann ein Mittagsschlaf sein, ein Spaziergang in der Natur oder auch eine wunderbar gelungene Unterrichtsstunde. Es müssen also nicht nur Energiequellen außerhalb des Schulbetriebs sein. Wenn Lehrkräfte sich als wirksam erleben, hat das großen Einfluss auf Motivation, Zufriedenheit und auch mentale Gesundheit. Genauso wichtig ist es aber, sich für das Leben außerhalb der Schule Zeit zu nehmen – also gut zu planen, wann man korrigiert oder Unterricht vorbereitet und wann man vielleicht Sport treibt, etwas mit der Familie oder Freunden unternimmt oder ein Hobby pflegt.

Was können Schulleitungen tun, damit es den Lehrkräften gut geht?
Ich wünsche mir von Schulleitungen vor allem Mut, um neue Wege auszuprobieren und dabei die Lehrkräfte mit ins Boot zu holen. Wenn Lehrkräfte einbezogen werden, mitbestimmen und ihre Ideen einbringen können, sind sie auch bereit dafür loszugehen. Außerdem sollten Schulleitungen versuchen, eine echte Wertschätzungskultur anstelle einer Fehlerkultur einzuführen. Dafür muss man sich Zeit nehmen, um ins Gespräch zu kommen, wirklich zuzuhören und so ein Miteinander zu entwickeln. Zeit ist ein entscheidender Faktor. Viel zu oft versuchen wir, ganz schnell Lösungen zu präsentieren und Probleme aus der Welt zu schaffen. Dabei bleibt viel auf der Strecke. Das ist natürlich nicht leicht, denn wenn wir uns für das eine Zeit nehmen, kommt vielleicht etwas anderes zu kurz. Ich finde es gut, wenn sich Schulleitungen davon nicht abhalten lassen, sondern schauen, wofür das Kollegium bereit ist und wie alle gemeinsam eine Schulkultur schaffen können, in der sich die Lehrkräfte wohlfühlen und jeden Tag gern in die Schule kommen.

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