Drei Fragen an …
Ludger Wessels, Lehrer für Politik und Wirtschaft in Lüneburg
Foto:
Ludger Wessels © Markus Hertrich
Desinformation und Deep Fakes erkennen, die Rolle von Algorithmen und KI in sozialen Netzwerken verstehen, den Wert der Pressefreiheit besser begreifen – das alles stand im Oktober auf dem Programm eines Newscamps am Gymnasium Oedeme in Lüneburg. An dem von der Initiative #UseTheNews und Westermann veranstalteten Projekttag nahm der gesamte Jahrgang 10 statt. Lehrer Ludger Wessels hat das Newscamp organisiert und zieht Bilanz.
Morgens um 9 Uhr ging es für alle 150 Schülerinnen und Schüler aus Jahrgang 10 in unserem Forum los, das ist eine Art Aula. Nach einer kurzen Begrüßung durch unseren Schulleiter folgte zunächst auf der Bühne ein Interview: Der NDR-Moderator André Schünke sprach mit der ukrainischen Exil-Journalistin Daria Bilan über Pressefreiheit. Sie erzählte, was sie im Krieg in der Ukraine erlebt hat und warum sie fliehen musste. Das war sehr emotional für viele Schülerinnen und Schüler. Anschließend gab es zwei Workshop-Phasen von jeweils 90 Minuten. Es standen 14 Workshops zur Auswahl, unter anderem zu Fake News und Pressefreiheit, darüber, wie man Verschwörungsmythen aufdeckt oder wie man auf TikTok KI einsetzen kann. Am Schluss wurde das Thema Pressefreiheit noch einmal im Forum aufgegriffen, um deutlich zu machen, dass es direkt mit Themen wie Fake News zusammenhängt und dass wir eine freie Presse brauchen, um gut informiert zu sein. Die Organisation der Workshops haben #UseTheNews und Westermann übernommen. Ich war für die Organisation auf Schulseite verantwortlich: Räume, Technik, Catering und so weiter.

Wie ist das Newscamp bei den Jugendlichen angekommen?
Ich hatte direkt am folgenden Tag in meiner 10. Klasse Unterricht, da haben wir das noch einmal gemeinsam reflektiert. Außerdem habe ich eine Online-Umfrage gemacht. Alle fanden es sehr spannend, mit so vielen externen Menschen Kontakt zu haben. Die Themen fanden sie auch sehr interessant, nur von einem TikTok-Workshop waren sie enttäuscht, weil sie schon viel von dem wussten, was da erklärt wurde. Ich glaube, dass auch langfristig etwas hängenbleibt. Kürzlich haben wir uns im Fach Werte und Normen in Klasse 10 über Lüge und Wahrheit unterhalten. Da sind die Schülerinnen und Schüler schnell auch auf das Thema Fake News gekommen und haben sich auf das Newscamp bezogen. Ich hoffe sehr, dass sie dafür sensibilisiert werden, wenn wir das Thema immer wieder ansprechen. So dass sie, zum Beispiel im nächsten Wahlkampf, auf Social Media genau hinsehen, welche Inhalte ihnen der Algorithmus anbietet und wie glaubwürdig das ist. Es ist mir wichtig, dass wir junge Menschen aus der Schule entlassen, die wissen, dass mithilfe von KI Desinformation in den sozialen Netzwerken verbreitet wird, die sie manipulieren soll, und dass das eine Gefahr für die Demokratie ist.
Wie bewerten Sie dieses Veranstaltungsformat für Themen, die nicht vom Lehrplan abgedeckt sind?
Ich finde, dass sich so ein Projekttag sehr lohnt, auch wenn der Aufwand groß ist. Hinzu kommen die Kosten. In unserem Fall hat Westermann die Kosten getragen, aber man kann so ein Projekt vielleicht auch über einen Förderverein oder andere Mittel finanzieren. Außerdem braucht es gute Absprachen zwischen der Schulleitung und den Fachschaften. Ich glaube, dass man als Schule immer mehr Routine bekommt, je öfter man solche Projekttage organisiert. Natürlich muss auch die Zeitplanung gut passen. Wir haben das Newscamp zum Beispiel in eine Woche gelegt, in der Jahrgang 13 auf Exkursion war. Dadurch hatten wir ausreichend Räume zur Verfügung. Aber ich glaube, die Finanzierung ist die größte Hürde. Leider haben Schulen kein Budget für so viel externen Input, selbst wenn die Themen sehr wichtig sind.
Linktipp: Mehr Informationen zu Projekten zur Demokratiebildung bei Westermann
Drei Fragen an …
Ludger Wessels, Lehrer für Politik und Wirtschaft in Lüneburg
Foto:
Ludger Wessels © Markus Hertrich
Desinformation und Deep Fakes erkennen, die Rolle von Algorithmen und KI in sozialen Netzwerken verstehen, den Wert der Pressefreiheit besser begreifen – das alles stand im Oktober auf dem Programm eines Newscamps am Gymnasium Oedeme in Lüneburg. An dem von der Initiative #UseTheNews und Westermann veranstalteten Projekttag nahm der gesamte Jahrgang 10 statt. Lehrer Ludger Wessels hat das Newscamp organisiert und zieht Bilanz.
Morgens um 9 Uhr ging es für alle 150 Schülerinnen und Schüler aus Jahrgang 10 in unserem Forum los, das ist eine Art Aula. Nach einer kurzen Begrüßung durch unseren Schulleiter folgte zunächst auf der Bühne ein Interview: Der NDR-Moderator André Schünke sprach mit der ukrainischen Exil-Journalistin Daria Bilan über Pressefreiheit. Sie erzählte, was sie im Krieg in der Ukraine erlebt hat und warum sie fliehen musste. Das war sehr emotional für viele Schülerinnen und Schüler. Anschließend gab es zwei Workshop-Phasen von jeweils 90 Minuten. Es standen 14 Workshops zur Auswahl, unter anderem zu Fake News und Pressefreiheit, darüber, wie man Verschwörungsmythen aufdeckt oder wie man auf TikTok KI einsetzen kann. Am Schluss wurde das Thema Pressefreiheit noch einmal im Forum aufgegriffen, um deutlich zu machen, dass es direkt mit Themen wie Fake News zusammenhängt und dass wir eine freie Presse brauchen, um gut informiert zu sein. Die Organisation der Workshops haben #UseTheNews und Westermann übernommen. Ich war für die Organisation auf Schulseite verantwortlich: Räume, Technik, Catering und so weiter.

Wie ist das Newscamp bei den Jugendlichen angekommen?
Ich hatte direkt am folgenden Tag in meiner 10. Klasse Unterricht, da haben wir das noch einmal gemeinsam reflektiert. Außerdem habe ich eine Online-Umfrage gemacht. Alle fanden es sehr spannend, mit so vielen externen Menschen Kontakt zu haben. Die Themen fanden sie auch sehr interessant, nur von einem TikTok-Workshop waren sie enttäuscht, weil sie schon viel von dem wussten, was da erklärt wurde. Ich glaube, dass auch langfristig etwas hängenbleibt. Kürzlich haben wir uns im Fach Werte und Normen in Klasse 10 über Lüge und Wahrheit unterhalten. Da sind die Schülerinnen und Schüler schnell auch auf das Thema Fake News gekommen und haben sich auf das Newscamp bezogen. Ich hoffe sehr, dass sie dafür sensibilisiert werden, wenn wir das Thema immer wieder ansprechen. So dass sie, zum Beispiel im nächsten Wahlkampf, auf Social Media genau hinsehen, welche Inhalte ihnen der Algorithmus anbietet und wie glaubwürdig das ist. Es ist mir wichtig, dass wir junge Menschen aus der Schule entlassen, die wissen, dass mithilfe von KI Desinformation in den sozialen Netzwerken verbreitet wird, die sie manipulieren soll, und dass das eine Gefahr für die Demokratie ist.
Wie bewerten Sie dieses Veranstaltungsformat für Themen, die nicht vom Lehrplan abgedeckt sind?
Ich finde, dass sich so ein Projekttag sehr lohnt, auch wenn der Aufwand groß ist. Hinzu kommen die Kosten. In unserem Fall hat Westermann die Kosten getragen, aber man kann so ein Projekt vielleicht auch über einen Förderverein oder andere Mittel finanzieren. Außerdem braucht es gute Absprachen zwischen der Schulleitung und den Fachschaften. Ich glaube, dass man als Schule immer mehr Routine bekommt, je öfter man solche Projekttage organisiert. Natürlich muss auch die Zeitplanung gut passen. Wir haben das Newscamp zum Beispiel in eine Woche gelegt, in der Jahrgang 13 auf Exkursion war. Dadurch hatten wir ausreichend Räume zur Verfügung. Aber ich glaube, die Finanzierung ist die größte Hürde. Leider haben Schulen kein Budget für so viel externen Input, selbst wenn die Themen sehr wichtig sind.
Linktipp: Mehr Informationen zu Projekten zur Demokratiebildung bei Westermann




