Freies Lernen wagen
Grundschule setzt freitags auf Frei Day statt auf Fachunterricht
Foto: Maria Kruse © Privat
Als die niedersächsische Grundschule Wachtum den Frei Day einführte, waren viele Eltern skeptisch – je eine Stunde Deutsch, Mathe und Sachunterricht fallen dafür weg. Inzwischen hat Schulleiterin Maria Kruse Eltern, Kollegium und die Kinder überzeugt. Nun will sie das freie Lernen noch weiter entwickeln.
Manchmal reichen wenige Worte, um einen Hebel umzulegen: Nach ihrer Verbeamtung kam eine Lehrerin an der Grundschule Wachtum mit Schulleiterin Maria Kruse ins Gespräch. Sie würde gern etwas freier arbeiten, teilte die junge Kollegin mit. Das brachte einen Stein ins Rollen, der schnell Fahrt aufnahm. Begleitet von der Initiative „Schule im Aufbruch“ entwickelte die Grundschule ein Konzept für freieres Lernen, startete erste Projekte.
Selbstgewählte Projekte zu Nachhaltigkeitszielen
„Erst mal haben wir ganz kleinschrittig im Sachunterricht angefangen“, erinnert sich Kruse. „Am Anfang war das noch ganz eng geführt, um den Kindern Sicherheit zu geben.“ Die Ergebnisse machten Mut, die Projekte wurden offener, schließlich entstand der Frei Day, für den jeden Freitag in Klasse 3 und 4 drei Stunden Fachunterricht wegfallen. Inhaltlich ist er an den 17 globalen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen orientiert. „Gemeinsam mit den Kindern entscheiden wir uns für eines der 17 Ziele. Die Kinder wählen dann Projekte zu dem Oberthema“, erklärt Schulleiterin Kruse. Andere Schulen würden alle 17 Ziele zur Wahl stellen, „aber als Grundschule geben wir etwas mehr Geländer.“
Naturschutz sei eins der beliebtesten Ziele, erzählt Kruse. Zum Beispiel hätte sich eine Gruppe mit der Frage beschäftigt, ob sich eine traditionelle Frühstücksveranstaltung an der Schule auch mit unverpackten Zutaten bestreiten ließe. „Die Kinder haben recherchiert, Rezepte gesammelt und sind zusammen einkaufen gegangen, um für die ganze Schulgemeinschaft ein gesundes, unverpacktes Frühstück zu erstellen. Dabei haben sie gemerkt, dass das gar nicht so einfach und auch teurer ist. Das war ein wichtiges Learning“, sagt Kruse. Dennoch sei es den Schülerinnen und Schülern gelungen, ohne Verpackungsmüll ein gesundes Frühstück zu kredenzen, Lernerfolg und kulinarisches Highlight zugleich.
Fachunterricht fällt weg, Kompetenzen nicht
Anfangs seien viele Eltern skeptisch gewesen, weil für den Frei Day je eine Stunde Deutsch, Mathematik und Sachunterricht wegfallen. „Wir haben dann erklärt, dass die Stunden nicht wirklich ausfallen. Wir setzen die Kompetenzen, die in diesen Fächern geübt werden, nur anders um“, sagt Kruse. Miteinander zu diskutieren etwa sei eine typische Kompetenz aus dem Deutschunterricht. Man könne sie auch anwenden, um zu diskutieren, ob die Gruppe aus gesammeltem Fallobst lieber Kuchen oder Saft herstellen möchte. „Als die Eltern gemerkt haben, dass es durch den Frei Day wirklich keine Lern- oder Stoffeinbußen gibt, haben sie die Skepsis aufgegeben.“ Damit die Eltern sehen, was ihre Kinder am Frei Day leisten, gehören regelmäßige Präsentationen zum Programm.
Außerdem bemerken die Eltern, dass ihre Kinder durch den Frei Day selbstbewusster werden, sagt Kruse. „Die Kinder setzen sich wirklich intensiv mit den Themen auseinander – es geht ja um ihre Zukunft. Dabei kommunizieren und forschen sie auf verschiedene Weise: E-Mail schreiben, telefonieren, um Hilfe bitten, Experten ansprechen und Lernorte außerhalb der Schule zu besuchen. Sie bestimmen selbst, was sie erforschen oder vorantreiben möchten und erleben sehr deutlich ihre Selbstwirksamkeit: ‚Ich kann etwas zum Guten verändern.‘ Dadurch entsteht Selbstbewusstsein.“ Noten gibt es für den Frei Day nicht, aber in Feedbackrunden regen die Lehrkräfte die Reflexion an: Was läuft gut, was nicht? Was brauchen wir noch?
Frei Day macht Mut zu Transformation
Nicht nur den Kindern, sondern der gesamten Schule machen die Erfahrungen mit dem Frei Day Mut, Neues zu wagen. Gerade erst hat sie ein zweijähriges Transformationsprojekt gestartet, zusammen mit zwei weiteren Grundschulen und begleitet von „Schulen im Aufbruch“ sowie der Kleebaum-Stiftung. „Mit dem Frei Day brechen wir aus dem Gewohnten aus, aber das ist nur ein Element im Schulalltag. Wir wünschen uns, dass sich Schule insgesamt verändert, und wollen andere Arten von Lernen entwickeln, ein neues Miteinander und ein neues Verständnis für guten Unterricht“, so Kruse.
Mehr Frei-Day-Projekte auf der Website der Grundschule Wachtum: https://www.gs-wachtum.de/category/freiday/
Freies Lernen wagen
Grundschule setzt freitags auf Frei Day statt auf Fachunterricht
Foto: Maria Kruse © Privat
Als die niedersächsische Grundschule Wachtum den Frei Day einführte, waren viele Eltern skeptisch – je eine Stunde Deutsch, Mathe und Sachunterricht fallen dafür weg. Inzwischen hat Schulleiterin Maria Kruse Eltern, Kollegium und die Kinder überzeugt. Nun will sie das freie Lernen noch weiter entwickeln.
Manchmal reichen wenige Worte, um einen Hebel umzulegen: Nach ihrer Verbeamtung kam eine Lehrerin an der Grundschule Wachtum mit Schulleiterin Maria Kruse ins Gespräch. Sie würde gern etwas freier arbeiten, teilte die junge Kollegin mit. Das brachte einen Stein ins Rollen, der schnell Fahrt aufnahm. Begleitet von der Initiative „Schule im Aufbruch“ entwickelte die Grundschule ein Konzept für freieres Lernen, startete erste Projekte.
Selbstgewählte Projekte zu Nachhaltigkeitszielen
„Erst mal haben wir ganz kleinschrittig im Sachunterricht angefangen“, erinnert sich Kruse. „Am Anfang war das noch ganz eng geführt, um den Kindern Sicherheit zu geben.“ Die Ergebnisse machten Mut, die Projekte wurden offener, schließlich entstand der Frei Day, für den jeden Freitag in Klasse 3 und 4 drei Stunden Fachunterricht wegfallen. Inhaltlich ist er an den 17 globalen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen orientiert. „Gemeinsam mit den Kindern entscheiden wir uns für eines der 17 Ziele. Die Kinder wählen dann Projekte zu dem Oberthema“, erklärt Schulleiterin Kruse. Andere Schulen würden alle 17 Ziele zur Wahl stellen, „aber als Grundschule geben wir etwas mehr Geländer.“
Naturschutz sei eins der beliebtesten Ziele, erzählt Kruse. Zum Beispiel hätte sich eine Gruppe mit der Frage beschäftigt, ob sich eine traditionelle Frühstücksveranstaltung an der Schule auch mit unverpackten Zutaten bestreiten ließe. „Die Kinder haben recherchiert, Rezepte gesammelt und sind zusammen einkaufen gegangen, um für die ganze Schulgemeinschaft ein gesundes, unverpacktes Frühstück zu erstellen. Dabei haben sie gemerkt, dass das gar nicht so einfach und auch teurer ist. Das war ein wichtiges Learning“, sagt Kruse. Dennoch sei es den Schülerinnen und Schülern gelungen, ohne Verpackungsmüll ein gesundes Frühstück zu kredenzen, Lernerfolg und kulinarisches Highlight zugleich.
Fachunterricht fällt weg, Kompetenzen nicht
Anfangs seien viele Eltern skeptisch gewesen, weil für den Frei Day je eine Stunde Deutsch, Mathematik und Sachunterricht wegfallen. „Wir haben dann erklärt, dass die Stunden nicht wirklich ausfallen. Wir setzen die Kompetenzen, die in diesen Fächern geübt werden, nur anders um“, sagt Kruse. Miteinander zu diskutieren etwa sei eine typische Kompetenz aus dem Deutschunterricht. Man könne sie auch anwenden, um zu diskutieren, ob die Gruppe aus gesammeltem Fallobst lieber Kuchen oder Saft herstellen möchte. „Als die Eltern gemerkt haben, dass es durch den Frei Day wirklich keine Lern- oder Stoffeinbußen gibt, haben sie die Skepsis aufgegeben.“ Damit die Eltern sehen, was ihre Kinder am Frei Day leisten, gehören regelmäßige Präsentationen zum Programm.
Außerdem bemerken die Eltern, dass ihre Kinder durch den Frei Day selbstbewusster werden, sagt Kruse. „Die Kinder setzen sich wirklich intensiv mit den Themen auseinander – es geht ja um ihre Zukunft. Dabei kommunizieren und forschen sie auf verschiedene Weise: E-Mail schreiben, telefonieren, um Hilfe bitten, Experten ansprechen und Lernorte außerhalb der Schule zu besuchen. Sie bestimmen selbst, was sie erforschen oder vorantreiben möchten und erleben sehr deutlich ihre Selbstwirksamkeit: ‚Ich kann etwas zum Guten verändern.‘ Dadurch entsteht Selbstbewusstsein.“ Noten gibt es für den Frei Day nicht, aber in Feedbackrunden regen die Lehrkräfte die Reflexion an: Was läuft gut, was nicht? Was brauchen wir noch?
Frei Day macht Mut zu Transformation
Nicht nur den Kindern, sondern der gesamten Schule machen die Erfahrungen mit dem Frei Day Mut, Neues zu wagen. Gerade erst hat sie ein zweijähriges Transformationsprojekt gestartet, zusammen mit zwei weiteren Grundschulen und begleitet von „Schulen im Aufbruch“ sowie der Kleebaum-Stiftung. „Mit dem Frei Day brechen wir aus dem Gewohnten aus, aber das ist nur ein Element im Schulalltag. Wir wünschen uns, dass sich Schule insgesamt verändert, und wollen andere Arten von Lernen entwickeln, ein neues Miteinander und ein neues Verständnis für guten Unterricht“, so Kruse.
Mehr Frei-Day-Projekte auf der Website der Grundschule Wachtum: https://www.gs-wachtum.de/category/freiday/




